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Geschichte | Produktion | Konsum | Wirtschaftliche Bedeutung | Literatur
Die Texte zu den Produkten sind in der Regel in der jeweiligen Landessprache abgefasst
Produkt aus dem Inventar des kulinarischen Erbes der Schweiz
www.kulinarischeserbe.ch
© Kulinarisches Erbe der Schweiz 2008
Ovomaltine ®
Synonyme
Ovi, Ovo
Produktionsepizentrum
Neuenegg Kt. BE, div. internationale Produktionsorte in Thailand, China und auf den Philippinen.
Zutaten
Malz, Gerste, Ei, Milch und Kakao
Beschreibung
Ovomaltine ist ein kakaohaltiges Malzpulver, das mit Milch angerührt, heiss oder kalt getrunken wird.

Ovomaltine ist ein Instantpulver aus Gerstenmalz, Ei und Kakao, welches in kalter oder warmer Milch aufgelöst getrunken wird.

Neben dem klassischen Ovomaltinepulver gibt es eine Vielzahl von neueren Produkten aus Ovomaltine, darunter Ovo-Sport, Choc-Ovo oder Ovo-Guetzli.
Die Ovomaltine ist in der ganzen Schweiz sehr beliebt. Schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts trinkt man Ovo aber auch in vielen anderen europäischen Ländern und auch in den Vereinigten Staaten.

Die „echte“ Ovomaltine beinhaltet keinen Kristallzucker und ist nur in der Schweiz erhältlich. Die Rezepturen für die international erhältliche Ovomaltine sind leicht süsser, da sie neben der Maltose noch Saccharose enthalten. In den englischsprachigen Ländern heisst die Ovomaltine Ovaltine.

Geschichte

Das Ovomaltinepulver ist im Jahr 1904 erstmals von der Firma Wander hergestellt worden. Der in Bern wohnhafte Pharmazeut Albert Wander entwickelte es auf der Basis eines Malz-Extractes, welches sein Vater Georg Wander, in seinem „Chemisch-technischen und analytischen Laboratorium und Fabrik künstlicher Mineralwasser und Malzzucker“ schon seit dem Jahr 1868 produzierte.
Der aus dem rheinhessischen stammende Chemiker Georg Wander kaufte in Bern im Jahr 1865 eine Mineralwasserfabrik und begann, neben Limonaden, Mineralwasser und Sirupen auch pharmazeutische und chemische Produkte herzustellen. Besonders interessiert war Wander an der Malzextraktion. Malzpräparate und Malzbonbons waren in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts ein anerkanntes Diätetikum;  Ärzten setzten sie gerne als Therapeutikum bei Mangelerkrankungen ein.
Das Georg Wandersche Malz-Extract war dunkelbraun-dickflüssig und schmeckte, wie Zeugen sagen, nicht gut. Da es auf Grund seiner Wirkung dennoch ein grosser Erfolg war, versuchten Vater Georg und Sohn Albert Wander es weiter zu entwickeln. So entstand im Jahr 1903 das Produkt Maltosan und 1904 die Ovomaltine.
Diese war von Anfang an ein grosser Erfolg. Die Verbindung von Ei (Ovo) und Malz brachte zwei Grundbestandteile der Kraftnahrung in einem Produkt zusammen, das dank des Kakaozusatzes auch noch gut schmeckte. Zuerst verkaufte Wander die Ovomaltine ausschliesslich als Krankennahrung; sie war dementsprechend nur in Apotheken erhältlich. Im Jahr 1922 wurde die Ovomaltine als Lebensmittel zugelassen und war nun auch im Detailhandel erhältlich. Dank der in den 20er Jahren aufkommenden Vitaminforschung entdeckte man den Vitaminreichtum der Ovomaltine. Wander nutzte das neue Wissen sofort in der Vermarktung. Als gesundes Getränk für die ganze Familie und für Sportler bewarb Wander sie nun 1920er gezielt als Frühstücksgetränk, Bettmümpfeli und Sportlernahrung.
Da die Ovomaltine relativ teuer ist, blieb sie lange eher ein Getränk für die Ober- und Mittelschicht. Gegen Ende der 1920er Jahren versuchte man jedoch explizit auch die Unterschicht mit der Ovomaltinewerbung anzusprechen: auch die Arbeiterschicht soll etwas für die Volksgesundheit tun und Ovo trinken – so die Idee.
Die in der Werbung geschickt eingesetzte Kombination von Alpenmilch, Sport, Gesundheit bescherte der Ovomatline eine enorme Popularität, so dass währende dem 2. Weltkrieg das Trinken von Ovomaltine zu einem Akt der Landesverteidigung wurde, wie es die Historikerin Myriam Berger in ihrer Lizentiatsarbeit „Vivat Helvetia, vivat Ovomaltine“ beschreibt.

Während dem zweiten Weltkrieg war Ovomaltine aber auch als Teil Notration empfohlen da sie dank ihres Vitaminreichtums der Mangelernährung Vorschub leisten könne.

In den 1930er Jahren entwickelte Wander im Auftrag des Bundes eine Militärovmomaltine, die sowohl in Wasser, als auch in Milch aufgelöst oder im Notfall trocken gegessen werden konnte. Im Jahr 1937 ist die Militär-Ovomaltine vom eidgenössischen Oberkriegskommissariat als Frühstücks-Notration eingeführt worden. Später verkaufte Wander dieses Produkt als Ovo-Sport. Es ist, wie das Ovomaltinepulver, noch heute sehr beliebt.

Produktion
Das Malz für die Ovomaltine wird aus Gerste hergestellt. Für die Mälzung muss das gereinigte Getreide in Wasser eingeweicht und zur Keimung gebracht werden. Im Korn werden durch den Keimvorgang Enzyme für den Eiweiss- und Stärkeabbau aktiv. Nach etwa fünf Tagen wird die Keimung durch schonendes Trocknen beendet und der Keimling entfernt, das so entstandene Malz kann nun weiterverarbeitet werden.
Um Ovomaltine herzustellen werden Gerste und Malz zuerst gereinigt und gemahlen. In der Mischpfanne wird durch Beifügen von Wasser Malzwürze hergestellt. Mit der Hilfe eines Mehrstufenverdampfers wird diese auf eine Trockensubstanz eingedickt. Dabei entsteht dickflüssiges Malzextrakt. Diesem werden Milch, Ei und Kakao beigefügt; es wird eingedickt und mit den übrigen Zutaten sorgfältig vermischt. Der Dicksaft wird schliesslich zu den Bandtrocknern gepumpt und im Vakuumverfahren bei 45 bis 50 Grad schonend getrocknet. Nun ist die Ovomaltine im Rohzustand fertig; die groben Ovostücke müssen nur noch fein zermahlen und abgepackt werden.
Konsum
Ovomaltine kann und wird zu jeder Tages- und Nachtzeit getrunken. Besonders beliebt ist sie bei Kindern als Frühstücksgetränk oder vor dem Einschlafen als Bettmümpfeli (aber danach bitte noch Zähneputzen!) und bei allen Wintersportlern.
Wirtschaftliche Bedeutung
Die Firma Wander ist heute eine Tochtergesellschaft der Associated British Foods. Dennoch wird die Ovomaltine für den Schweizer Markt immer noch in der Schweiz hergestellt: ca. 20'000 Tonnen sind es jährlich.
Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann die Firma Wander mit der Ovomaltine auch ins Ausland zu expandieren: zuerst nach England, Deutschland, Österreich und Frankreich. Im Jahr 1917 wagte Wander auch den Sprung über den grossen Teich und baute eine Produktionsanlage in den USA.
Literatur
  • Commission de l'école ménagère du Locle, Manuel de recettes culinaires, 1938.
  • Schwendener, Pascal, Kraftpulver für Bleichsüchtige, Luzern, 2004.
  • Thut, Walter, Vom Zwei-Mann-Labor zum Weltkonzern, Verein für wirtschaftshistorische Studien, Zürich, 2005.
  • Berger, Myriam, "Vivat Helvetia, vivat Ovomaltine: vom Heilmittel zum Nationalgetränk, Lic. arbeit an der Uni ZH, 1998.
  • Zaborsky, Nada, Die wahre Närhstoffempfehlung. Damals, dann und heute, Seminararbeit am Institut für Gesellschaftswissenschaften der Universität Basel, 2009.
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