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Geschichte | Produktion | Konsum | Wirtschaftliche Bedeutung | Literatur
Die Texte zu den Produkten sind in der Regel in der jeweiligen Landessprache abgefasst
Produkt aus dem Inventar des kulinarischen Erbes der Schweiz
www.kulinarischeserbe.ch
© Kulinarisches Erbe der Schweiz 2008
Rivella ®
Produktionsepizentrum

Rothrist (AG)

Zutaten

Milchserum (35%), Kräuter- und Früchteextrakte, Wasser, Zucker, Fruchtzucker und/oder Süssstoffe, Kohlensäure.

Beschreibung

Kohlensäurehaltiges Tafelgetränk auf Milchserum-Basis. Ist in diversen Flaschengrössen erhältlich. Farbe: gelb.

Variationen
Rivella blau ist kalorienarm (es enthält Süssstoffe). Rivella grün ist mit Grüntee aromatisiert; es enthält 50% weniger Zucker. Die neueste Variante auf dem Markt ist Rivella gelb auf pflanzlicher Basis.

Rivella ist ein kohlensäurehaltiges Tafelgetränk, das sich durch seinen Grundstoff – dem Milchserum, das aus Molke gewonnen wird – von allen anderen unterscheidet. Dadurch erhält es ein unvergleichliches Aroma.

Rivella wird im Aargauischen Rothrist produziert und in der ganzen Schweiz konsumiert. Es ist in der Schweizer Bevölkerung sehr beliebt, was zweifellos auch auf die Bedeutung der Kühe und der Milch in der Landeskultur zurückzuführen ist.

Geschichte

Die Molke, auch Sirte oder Schotte genannt, ist ein Nebenprodukt der Käseherstellung. Es handelt sich um jene Flüssigkeit, die nach der Extraktion des Kaseins (Käsemasse) im Kessel zurückbleibt. Für das zur Herstellung von Rivella benötigte Milchserum werden der Molke durch ein spezielles Filtrationsverfahren sämtliche Fette- und Eiweisse entzogen. Die historische Bedeutung der Molke lässt sich aufgrund seiner heutigen Verwendung kaum noch erahnen. Heutzutage wird sie vor allem zur Herstellung von Ziger verwendet und um Schweine zu füttern.

Molke ist reich an Proteinen, Vitaminen und Mineralstoffen und bis Mitte des 20. Jahrhunderts spielte sie eine bedeutende Rolle. In Histoire de l'alimentation aus dem Jahr 1996 berichten Flandrin und Montanari, dass die Bauern gemäss vielen älteren Quellen Milch, Molke oder Buttermilch, die als Nebenprodukte bei der Herstellung von Käse und Butter anfielen, tranken. Schriftliche Zeugnisse, die diese alltägliche Anwendung belegen, sind nur noch wenige zu finden. Der Wissenschafter Paul Hugger zeigt den wichtigen Stellenwert der Molke in der Ernährung der Sennen im Waadtländer Jura in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seine Beschreibung hat zweifellos für die ganze Schweiz Gültigkeit. Seit dem 18. Jahrhundert sind die Qualitäten der Molke über das Bauernmilieu hinaus bekannt. In Deutschland, Österreich und der Schweiz wird sie in alpinen Wellnesszentren für besonders betuchte Gäste verwendet. Schon im 19. Jahrhundert genossen die ersten Touristen das Bad in dieser Flüssigkeit, der diverse Heilwirkungen zugeschrieben werden.

Die Idee, die in der Käseherstellung anfallende Molke zur Produktion eines Tafelgetränks zu verwenden, lässt sich im Zusammenhang mit der Entwicklung des Konsums von Erfrischungsgetränken erklären. Die ersten Limonadegetränke auf Mineralwasserbasis kommen zwar bereits Anfang des 19. Jahrhunderts auf, doch ihre industrielle Produktion entwickelt sich erst ab den 1920er Jahren. In seinem Artikel Les eaux minérales en Suisse schildert der Historiker François de Capitani, wie sich gesellschaftliche Veränderungen auf den Getränkekonsum auswirkten. Anfang des 20. Jahrhunderts bekämpfen Organisationen gegen Sucht und Abhängigkeit den Alkoholkonsum und reglementieren diesen streng. Der Alkohol verschwindet zwar nicht, aber er ist auf genau definierte Orte und Anlässe beschränkt. Arbeitszeit, Sport und andere Freizeitbeschäftigungen werden alkoholfrei. Ab dem 18. Jahrhundert hatten Tee und Kaffee diese Bereiche bereits teilweise erobert; im 20. Jahrhundert werden sie durch kohlensäurehaltige Getränke komplettiert, schreibt François de Capitani. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wächst der Markt für Erfrischungsgetränke, gleichzeitig steigt die Kaufkraft der Konsumenten und Sport und Freizeitaktivitäten gewinnen an Bedeutung.

Nachzulesen ist die Geschichte von Rivella in der Publikation 50 Jahre Lebensfreude. Rivella und seine Geschichte. 1952-2002, das vom Hersteller des Getränks herausgegeben wurde. Im Jahr 1949 versucht der Schweizer Jean Barth, dem aus dem Nachlass eines Biologen ein Bierrezept auf Molkebasis zugetragen worden war, dieses in den USA zu verkaufen. Doch der Versuch im Land von Coca-Cola scheitert. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz vertraut Jean Barth das Rezept seinem Bruder Robert an. Dieser experimentiert damit, um daraus schliesslich das heute bekannte Getränk auf der Basis von Milchserum, Wasser, Kräuter- und Fruchtextrakten sowie Zucker  herzustellen. Unterstützt wird das Vorhaben von Hans Süsli, einem Biologen und Milchspezialisten, der bis zu seinem Tod im Jahr 1989 an der Entwicklung des Unternehmens beteiligt ist.

Im Jahr 1951 gründet Robert Barth ein Unternehmen namens "Milkin-Institut" und nimmt im Jahr darauf in Stäfa (ZH) die Produktion von Rivella auf. Er ist es auch, der den Namen des Getränks erfindet, der auf das italienische rivelazione (Offenbarung) zurückgeht. Die ersten Jahre verlaufen ziemlich schwierig. Zu dieser Zeit sind die meisten in der Schweiz hergestellten Tafelgetränke einer Mineralquelle angeschlossen, die dem Getränk Ansehen verleiht – Rivella jedoch nicht. Und so stellt sich vorerst auch der Verband Schweizer Mineralquellen (SMS) gegen dieses Getränk, das mit den Produkten seiner Mitglieder konkurriert: Mineralwasser und die daraus entstandenen kohlensäurehaltigen Tafelgetränke wie Elmer Citro, Pepita oder Vivi Cola. Mehr Zuspruch findet Rivella bei den Getränkehändlern und es dauert nicht lange, bis sich ein richtiges Vertriebsnetz entwickelt und Rivella in Lebensmittelgeschäften und Restaurant Eingang findet. Das Beispiel von Coca-Cola, das ebenfalls nicht von einer Mineralquelle stammt, hilft dabei, das Misstrauen zu beseitigen.

Wie dem auch sei, die Firma Rivella wächst weiter. Sie zieht schon bald nach Uster (ZH) um, wo in einer nahen Käserei das Milchserum gewonnen wird. Im Jahr 1954 wird die Flaschenabfüllung nach Rothrist (AG) verlegt, das bis heute Geschäftssitz und Hauptstandort des Unternehmens ist (die Produktion des Milchserumkonzentrats verbleibt allerdings bis 1999 in Uster). Innert kürzester Zeit wird Rivella in der ganzen Schweiz vertrieben und konsumiert. Von Beginn an versucht das Unternehmen, sein Image im Sport und in der Gesundheit zu verankern; dieser Versuch wird zunächst vom Verband Schweizer Mineralquellen bekämpft, der sogar die Verteilung von Rivella an Sportanlässen verbieten möchte.

Bald darauf wird Rivella auch exportiert: Die Niederlande sind im Jahr 1957 das erste Abnehmerland. 1959 kommt Rivella blau auf den Markt; ein kalorienarmes Getränk, das die Welle der "Light"-Getränke vorwegnimmt, die 25 Jahre später die Schweiz erreicht. Im Laufe der 1960er Jahre automatisiert das Unternehmen sämtliche Produktionszweige. Der wirtschaftliche Erfolg des Produkts lässt nicht nach, und Rivella wird zu der Institution, für die es seither in der Schweizer Getränkelandschaft bekannt ist. Im Jahr 1999 wird eine neue Erfindung geboren: Rivella grün aus Grüntee-Extrakten. 2008 folgt Rivella gelb, das andere Rivella auf pflanzlicher Basis.

Produktion

Die Angaben zu den Produktionsprozessen stammen von der offiziellen Webseite von Rivella.

Demnach wird das Milchserum zunächst einer Fermentation (Gärung) unterzogen. Danach erfolgt die Zugabe von Aromen (Kräuter- und Fruchtextrakten) nach einer bis heute geheimen Rezeptur. Diese Mischung wird sodann auf ein Konzentrat reduziert. Für Rivella grün werden Grüntee-Extrakte beigemischt. Das Konzentrat wird mit Wasser, Kohlensäure und Fruchtzucker (Rivella grün und gelb), Süssstoffen (Rivella blau und gelb) oder Zucker (Rivella rot) angereichert.

Konsum
Rivella wird normalerweise gekühlt konsumiert. Man trinkt es vor allem ausserhalb der Mahlzeiten, aber manche Leute konsumieren es auch zum Essen. Man geniesst es gerne nach einer sportlichen Leistung, nach einem Tag im Schnee oder einem Tennismatch, aber auch bei anderen Gelegenheiten wie etwa Musikfestivals etc.. Gemäss einer vom Unternehmen veröffentlichten Statistik werden in der Schweiz 10 Liter Rivella pro Person und Jahr konsumiert (2007).

Überlieferungen zufolge soll Rivella die Milchproduktion anregen und wird deshalb von schwangeren und stillenden Frauen geschätzt.

Wirtschaftliche Bedeutung
Schon im Jahr 1953 lag die Produktion bei 130’000 Litern, was eine Steigerung um 250 Prozent vom ersten Jahr bedeutete. In den darauffolgenden Jahren wurden dann bereits einige Millionen Liter hergestellt. 2007 verkaufte das Unternehmen rund 104 Millionen Liter Rivella, davon 86 Millionen in der Schweiz und den Rest im Ausland (Niederlande, Frankreich, Deutschland, Luxemburg, Österreich).

Rivella wird in der Schweiz in ca. 30'000 Hotellerie- und Restaurationsbetrieben sowie in 6000 Detailhandelsgeschäften verkauft. In grösseren Geschäften kostet eine 1-Liter-Flasche ca. CHF 2.- (2008).

Literatur
  • Rieder, Sarah, 50 Jahre Lebensfreude. Rivella und seine Geschichte. 1952 - 2002, Rivella Holding AG, Rothrist, 2001.
  • de Capitani, François, Les eaux minérales en Suisse, Alimentarium, Vevey, 2005.
  • --, http://www.rivella.ch/, ?.
  • --, Rivella: das erfolgreiche Schweizer Unternehmen 1952-2007, Rivella AG, Rothrist, 2007.
  • Flandrin, Jean-Louis Montanari, Massimo, Histoire de l'alimentation, Fayard, Paris, 1996.
© 2005 – 2009, Verein Kulinarisches Erbe der Schweiz: Alle Urheberrechte dieser elektronischen Publikation sind beim Verein Kulinarisches Erbe der Schweiz. Für alle elektronisch publizierten Texte gelten dieselben Regeln wie für eine gedruckte Veröffentlichung.
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